Grenzen & Tipps
Die Kamera ist ein mechanischer Gimbal mit physikalischen Grenzen: Pathset holt das Beste heraus.
- Zeit vor allem für den Zoom einplanen. Schwenk, Neigung und Rollen fährt die Kamera in einem weiten Tempobereich ab, von sehr langsam bis zu einem Schwenk über den gesamten Bereich in wenigen Sekunden. Der Zoom ist der langsamste Teil: Für große Zoomwege braucht ein Abschnitt entsprechend Fahrzeit, sonst kommt der Zoom nicht an.
- Langsamer als die Kamera zoomt Pathset nicht (Osmo Pocket).
Die Osmo Pocket kennt nur wenige feste Zoomgeschwindigkeiten. Selbst die langsamste ist zügig: Die 4P zoomt von 1× auf 4× in etwa 7 Sekunden, die Pocket 4 in etwa 10 Sekunden. Ein langsames Heranzoomen über 20 oder 30 Sekunden ist deshalb nicht möglich, auch nicht in der Hersteller-App.
Ist ein Abschnitt länger als der Zoom, legt Pathset ihn passend hinein: Hineinzoomen endet zusammen mit dem Abschnitt, die Kamera schwenkt also zuerst in der Weite und zoomt zum Schluss auf das Ziel. Herauszoomen beginnt gleich am Anfang, danach schwenkt die Kamera in der Weite weiter. Der Schwenk nutzt immer die volle Fahrzeit.
Die Insta360 Luna Ultra/Pro ist davon nicht betroffen: Sie zoomt stufenlos über die ganze Fahrzeit.
Tipp: Soll der Zoom den ganzen Abschnitt füllen, wählen Sie die Fahrzeit etwa so lang wie den Zoom. Oder teilen Sie die Strecke in zwei Abschnitte: einen nur mit Schwenk und einen mit Schwenk und Zoom.
- Der Zoom ist zeitgesteuert und daher nicht auf die Kommastelle genau. Der Zielfaktor wird über die Fahrzeit angefahren; kleine Abweichungen sind normal. Für sanfte Zoomfahrten ist das richtig so, auf exakte Faktoren sollte man sich nicht verlassen.
- Bildversatz beim Linsenwechsel (Osmo Pocket 4P, Insta360 Luna Ultra). Beim Übergang von der Weitwinkel- zur Telelinse (3×-Zoom) kommt es zu einem kleinen Bildversatz, der sich in der Nachbearbeitung ausgleichen lässt. Das ist technisch bedingt, Pathset hat darauf keinen Einfluss; das Video wird exakt so aufgenommen wie bei manueller Steuerung. Die Insta360 Luna Pro hat nur ein Objektiv und ist davon nicht betroffen.
- Bewegungsbereich. Der Gimbal hat einen begrenzten Schwenk- und Neigebereich; sehr extreme Winkel sind nicht erreichbar.
- Rollachse. Das Rollen wird in Pathset nur für die Osmo Pocket unterstützt; bei der Insta360 Luna Pro/Ultra ist das Rollfeld ausgeblendet.
- Kein hartes Ausblenden auf null. Der Zoom lässt sich nicht schlagartig stoppen; er läuft mit begrenztem Tempo.
- Werte sind kameraabhängig. Jede Kamera hat ihre eigene, ausgemessene Kennlinie (Tempo, Zoombereich). Pathset wählt das passende Geräteprofil automatisch; Fahrten wirken deshalb je Kamera minimal anders.
- Wiederholbarkeit. Dieselbe Fahrt zweimal gestartet ergibt weitgehend deckungsgleiche Aufnahmen, gut für Vorher-nachher-Vergleiche oder denselben Schwenk bei anderem Licht. Kleine Abweichungen bleiben normal; Mechanik und Funkstrecke sind nicht auf die Nachkommastelle reproduzierbar.
Genauigkeit bei der Luna Ultra
Pathset liest während der Fahrt mehrmals pro Sekunde die tatsächliche Lage des Gimbals und gleicht Abweichungen sanft aus. Fahrten bleiben dadurch auch über viele Runden auf der Stelle. Nach dem Ende einer Strecke rollt die Luna noch etwas nach; diesen Rest (meist 1–2°) schleicht Pathset in der Haltezeit langsam aus — im Video sieht man allenfalls ein kaum merkliches Nachführen, keinen Sprung.
Tipp: Eine Haltezeit von 2–3 s an Punkten, die genau sitzen sollen; ohne Haltezeit gleicht erst die nächste Strecke aus. Bei der Luna Pro fahren Videofahrten wie bisher, ohne diese Nachregelung.
Lange Aufnahmen
Mit Schleifen werden Fahrten leicht eine Stunde und länger. Zwei Dinge setzen dabei die Grenze, und zwar nicht die App, sondern die Kamera:
- Wärme. Bei anspruchsvollen Einstellungen (hohe Bildrate, Zeitlupe, 4K/120) schaltet die Kamera die Aufnahme nach einigen Minuten bis einer halben Stunde wegen Überhitzung ab; in 4K/30 oder 1080p hält sie deutlich länger durch. Für lange Fahrten also eine moderate Einstellung wählen und die Kamera frei stehen lassen.
- Speicher. Eine Stunde 4K braucht rund 20 bis 30 GB. Die Kamera teilt die Aufnahme in mehrere Dateien auf; ist die Karte voll, beendet sie die Aufnahme.
Beendet die Kamera die Aufnahme von sich aus, hält Pathset die Fahrt innerhalb weniger Sekunden an und zeigt eine rote Meldung („Die Kamera hat die Aufnahme selbst beendet …"). Die App muss dafür wie immer im Vordergrund bleiben; beenden können Sie die Fahrt jederzeit mit „Stopp".
Faustregeln
- Erst grob per Livebild rahmen, dann in der Bearbeiten-Karte fein justieren.
- Für einen ruhigen Look großzügige Fahrzeiten wählen.
- Den ersten Punkt mit Fahrzeit 0 anlegen (schnelle Anfahrt, noch ohne Aufnahme) und die Aufnahme erst am zweiten Punkt beginnen.
- Sehr langsame Fahrten sind eine Stärke: Was von Hand zittert, läuft programmiert gleichmäßig.
- Zoom passend zur Fahrzeit (Osmo Pocket): Für 1× → 4× sind etwa 7 s (4P) bzw. 10 s (Pocket 4) ideal. Längere Abschnitte sind möglich, der Zoom liegt dann am Ende (hinein) oder am Anfang (heraus).
- Hyperlapse für lange Fahrten: Die Kamera rafft das Video selbst. Eine 20-Minuten-Fahrt wird bei ×30 zu 40 Sekunden. Bei „Auto" wählt die Kamera die Raffung, die Videolänge steht dann vorher nicht fest.
- Zeitlupe für kurze Bewegungen: Die Fahrt läuft in Echtzeit, das Video wird um den Faktor länger. Eine 10-Sekunden-Fahrt bei 4× ergibt 40 Sekunden Video.
- Hyperlapse oder Zeitraffer (Osmo Pocket)? Für bewegte Fahrten Hyperlapse verwenden. Im Zeitraffer- und Motionlapse-Modus der Osmo Pocket lässt die Firmware den Gimbal nicht fahren.
- Zeitraffer mit der Luna Ultra: Dort nimmt Pathset den Zeitraffer selbst auf und fährt den Gimbal zwischen den Fotos, mit Zoom und auf Wunsch mit der 180°-Regel (siehe Fahrt bearbeiten). Derzeit experimentell: Bei langsamen Schwenks kann es zu kleinen Rucklern kommen, mehr dazu.